In vista delle elezioni federali, abbiamo dialogato con Sara Wyss, candidata al Consiglio Nazionale impegnata sui temi della giustizia sociale, della sanità e dell’integrazione. L’intervista si sviluppa in forma bilingue – con domande in italiano e risposte in tedesco – riflettendo concretamente la realtà politico-linguistica svizzera. Emergono visioni, proposte e sensibilità legate anche alla sua esperienza personale di doppia cittadinanza, con uno sguardo attento alle sfide della comunità migrante in Svizzera.
Perchè i cittadini italiani con la doppia nazionalità, ossia italiana e acquisita svizzera, dovrebbero rielleggerLa come Consigliera Nazionale a Berna il 22 ottobre prossimo?
Mein Motto ist: Politik ist die Gestaltung der Zukunft. Und mit Herzblut und Engagement setze ich mich jeden Tag für die Menschen ein.
Stellen Sie sich vor: Die Krankenkassenprämien stiegen in den letzten Jahren um 141%, die Löhne nur um 13% und die Renten sogar nur um 8%. Das bedeutet ein massiver Kaufkraftverlust. Gleichzeitig besitzen die reichsten 10%, 63% des Vermögens. Und die Schere geht immer weiter auf. So kann es schon lange nicht mehr weitergehen. Mit Vehemenz setze ich mich deshalb für eine gerechtere Besteuerung ein.
Mein tägliches Engagement gilt bezahlbaren Krankenkassenprämien und Mieten. Auch ist es mir wichtig, dass wir gute Löhne und eine Altersvorsorge haben. Und zwar für alle.
Aktuell sind zwei Projekte pendent: Die Initiative für bessere Prämienverbilligungen und die Initiative für eine 13. AHV-Rente. Beide Initiativen werden wohl in Kürze zur Abstimmung kommen.
Vielleicht fragen Sie sich, was dies mit Migration zu tun hat… Menschen mit Migrationshintergrund sind haben überdurchschnittlich tiefe Einkommen und Vermögen. Meine Sensibilität für diese Anliegen ist nicht nur sozial motiviert, sondern auch aus meiner Familiengeschichte: Ich selbst bin Doppelbürgerin, Schweiz-Frankreich. Meine Grossmutter flüchtete im zweiten Weltkrieg hierher.
Meine Sensibilität für bi-nationale Anliegen ist deshalb ausgeprägt.
Lei intravede a breve una possibilità di una doppia cittadinanza per gli italiani che vengono in Svizzera, senza sostenere un esame e soprattutto pagare una cifra non indifferente per la naturalizzazione, dato che la lingua italiana è ancorata nella Costituzione Elvetica?
Die Sprache ist ein zentrales Element der Integration und des Zusammengehörigkeitsgefühles. Die Schweiz hat vier Landessprachen – aber das Italienisch und Rätoromanisch geht oftmals vergessen, leider. Ich setze mich für günstige Einbürgerungen ein und dafür, dass das Bürgerrecht bereits nach 5 Jahren vergeben wird (Vierviertel-Initiative). Kinder, welche hier geboren sind, sollten automatisch das Bürgerrecht erhalten. Der politische Gegenwind ist gross, aber gemeinsam schaffen wir das!
Quali sono attualmente le procedure per una persona italiana che viene in Svizzera come operaio, come studente, o da professionista?
Da Italien zur EU gehört, gilt die Personenfreizügigkeit. Menschen, welche eine Stelle haben, dürfen in die Schweiz kommen. Aber die Schweiz insoliert sich immer mehr. Wir sind mitten in Europa und gehören trotzdem nicht dazu. Die Verschlechterungen der Beziehungen zur EU betrifft auch die Menschen – gerade auch Studierende. Deshalb setze ich mich mit Herzblut für gute und stabile Beziehungen zu EU ein.
I figli di italiani che nascono in Svizzera non hanno diritto al passaporto svizzero, perchè vige ancora la «ius sanguinis». Ogni partito, ogni canditato e candidata, prima e durante la campagna elettorale promette di occuparsi dell’emigrazione. Perchè non concedere almeno ai figli di italiani nati in Svizzera la possibilità del doppio passaporto già dalla nascita?
Wenn ich hier eine gute Antwort liefern könnte… Wir haben dies als SP schon zig Mal gefordert und probiert… Und bislang wurde es vom bürgerlichen Parlament stets abgelehnt. Aber wir bleiben dran – denn für mich wäre es eine absolute Selbstverständlichkeit.
La scottante tematica dei «migranti» viene sollevata da ogni partito. Che cosa La distingue nei fatti dagli altri candidati/ dalle altre candidate?
Ich sehe in der Migration nicht einfach die Probleme. Die Schweiz ist ein Einwanderungsland. Sie ist nicht nur wirtschaftlich auf die Migration angewiesen, sondern auch kulturell. Es ist eine Bereicherung für uns. Und in meinem Wirken streiche ich diese Vielfalt und Bereicherung heraus. Und ich möchte noch anfügen: Die meisten «Schweizer» haben einen Migrationsbezug, auch ich. Schweizer:innen ohne Migrationswurzeln gibt es fast keine. Aber ich schaue den Menschen generell immer als Menschen an – unabhängig von Religion, Staatsbürgerschaft oder Geschlecht. Und setze mich tagtäglich dafür ein, dass alle Menschen eine lebenswerte Zukunft und gleiche Chancen haben.
Chi è per definizione «un/ una migrante»? E chi stabilisce questa definizione?
DIE Migrant:innen gibt es nicht, so wie es DIE Schweizer:innen nicht gibt. Aber es ist eine Tatsache, dass es viele Migrant:innen schwerer haben. So arbeiten sie öfters in prekären Arbeitsverhältnissen, oder haben generell eine tiefere Gesundheit. Es ist deshalb an der Politik – und ja auch an mir, das zu ändern. Und daran arbeite ich.
Stando a Walter Leimgruber, presidente della commissione sull’emigrazione del Dipartimento degli affari esteri di Berna, i migranti vengono ostacolati nella loro integrazione, soprattutto dalla troppa burocrazia e da un eccesso di paragrafi. Lei cosa intende cambiare su questo fronte concretamente?
Integration bedeutet für mich mehr als hier zu arbeiten. Sondern hier zu leben, mitzugestalten.Die bürokratischen Hürden sind tatsächlich hoch. Nehmen wir, weil wir schon darüber gesprochen haben, die Einbürgerungen. Diese Hürden müssen abgebaut werden.
In Svizzera, malgrado ufficialmente e per Costituzione si parlino quattro lingue, la mentalità e le regole della parte tedesca prevalgono, mentre in ambito di migranti, si proclama specialmente in fase di elezioni, la politica «transnazionale». Prendiamo un bambino italiano con genitori campani e toscani, che giâ in casa parla di partenza il napoletano, il toscano e l’italiano. A scuola il Baseldytsch, alternandolo con il Hochdeutsch svizzero, come deve essere seguito dalla politica transnazionale se i suoi vicini di banco sono curdi, arabi, sloveni, ucraini e russi?
Ich mag die Viersprachigkeit in der Schweiz. Im Bundesparlament spricht jede und jeder in seiner Sprache und diese Vielfalt ist enorm wertvoll. Ich setze mich national aber auch kantonal dafür ein, dass die Landessprachen in den Schulen obligatorisch sind. Denn nur, wenn wir miteinander kommunizieren können, ist ein Zusammenleben möglich.
Perchè a Basilea le scuole elementari bilingue italiano-tedesco hanno difficoltà a sopravvivere, anzi una è stata chiusa, dato che il sussidio cantonale e federale da parte svizzera è stato negato? La scuola, i programmi scolastici, non dovrebbero andare di pari passo, proprio per facilitare la transnazionalitâ e quale sarà il Suo contributo?
Ich selbst bin im Jura (Porrentruy) ans Gymnasium gegangen – auf Französisch. Ich war die erste Person aus Basel, welche dies tat. Danach folgte ein Austauschprogramm. Das ist ein riesen Erfolg und trägt zur Verständigung viel bei. Solche Austauschprogramme braucht es auch mit dem Tessin. Bilinguale Klassen – auch in öffentlichen Settings– erachte ich für sehr zielführend. Leider gibt es sie oft erst Deutsch-Englisch oder Deutsch-Französisch. Es wäre elementar, dass es vermehrt auch bilinguale Klassen Italienisch-Deutsch gibt.
Den zweiten Hebel sehe ich in der Unterstützung von Deutsch-Italienischen Schulen. Der Bund schnürt Sparpakete – auch auf dem Buckel der Bildung. Das ist falsch. Als Finanzpolitikerin (Vize-Präsidentin der Finanzkommission des Nationalrates) wehre ich mich gegen diese Sparmassnahmen. Bildung und auch der Zusammenhalt innerhalb der Schweiz sind elementare Bestandteile unsere Gesellschaft.
Il Suo ferro di battaglia è il campo della salute. Diversi studi del sociologo Hettlage con il contributo del Consultorio familiare a Basilea, ha messo in evidenza che la salute dei migranti a Basilea è molto minata non dalla non integrazione di chi emigra, ma dalle rigide forme istituzionali che non permettono appunto la tanta aspirata transnazionalità. Come intende cambiare questa situazione che rende molti migranti depressi, malati fino all’invalidità?
Ich bin Gesundheitspolitikerin und alle Menschen brauchen einen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Und das ist heute nicht der Fall. Es braucht mehr niederschwellige Angebote – gerade auch bei psychischen Problemen. Damit diese auch für Migrant:innen zugänglich sind, ist das interkulturelle und sprachliche Dolmetschen wichtig. Ein entsprechender Vorstoss von mir für die Bezahlung von Dolmetscherdiensten ist noch hängig.
Nebst meinem Nationalratsmandat arbeite ich noch in einer Psychiatrie und kenne die Situation sehr gut. Die psychische Gesundheit ist wichtig, aber wir habe hier eine Unterversorgung und brauchen nebst den niederschwelligen Angeboten auch neue Settings wie hometreatments. Das würde die starren Strukturen aufweichen und käme den Menschen zu Gute. Hier habe ich viele Pilotprojekte mitinitiiert.
La violenza tout court è un altro tema che tutti i partiti promettono di debellare. Purtroppo l’aiuto alle vittime di violenza da mie ricerche non è garantito e molte sono le volte, in cui le vittime restano con i loro traumi per decenni da soli, o sostenute dai familiari, dagli amici o conoscenti. Malgrado che per legge una violenza domestica o sulle donne sia qualificata da «reato ufficiale», la procura e i tribunali non fanno molto per proteggere la vittima se non ci sono delle prove schiaccianti. Lei cosa intende fare per la tutela delle donne e dei bambini la cui salute è deteriorata, causa le violenze subite e l’ iter di procedura penale attuale?
Alleine 2020 gab es 20’000 Straftaten von häuslicher Gewalt – neben Drohungen, Tätlichkeiten und Körperverletzung auch Tötungsdelikte. Die Dunkelziffer ist noch grösser. Das macht mich betroffen und die Politik muss agieren. Und das tun wir auch. Wir haben die Opferberatungsstellen finanziell besser ausgestattet. Doch das alleine reicht nicht.
Besonders prekär ist die Situation für gewaltbetroffene Menschen – oftmals Frauen – ohne Schweizer Pass. Sie können der Gewalt oftmals nicht entfliehen ohne ihren Aufenthaltsstatus zu verlieren. Umso wichtiger war unser Engagement, dass Betroffene nicht ihren Aufenthaltsstatus verlieren, wenn sie Opfer von häuslicher Gewalt werden.
Aber ja – es gibt noch viel zu tun. Gewalt ist nicht akzeptabel und hinter jedem Fall steckt ein menschliches Schicksal. Ich werde das Thema weiterverfolgen.
Grazie per il Suo prezioso tempo e in bocca al lupo per le imminenti elezioni.
Graziella Putrino

